Stille See – Kaltes Urteil | Historischer Roman & Kriminalfall in Flensburg 1945

Erscheint im Sommer 2026

Historischer Roman & Kriminalfall

Flensburg – Mai 1945. In der Kriegsmarineschule Mürwik sammeln sich Verwundete, Flüchtlinge und die letzten Soldaten des besiegten Deutschen Reiches. Während britische Truppen die Kontrolle übernehmen, versucht der verwundete Fernmelder Joachim Farmer im Lazarett zurück ins Leben zu finden.

Dort begegnet er dem Matrosen Albrecht Henschel, der von der Hinrichtung dreier Soldaten berichtet – erschossen noch Tage nach Kriegsende, im Namen von Gehorsam und Pflicht. Als Henschel und ein weiterer Zeuge kurz darauf ermordet werden, begreift Farmer, dass manche den Krieg noch immer nicht aufgegeben haben.

Stille See – Kaltes Urteil ist ein atmosphärischer Roman über Schuld, Schweigen und die leise Hoffnung junger Menschen in den Trümmern einer verlorenen Zeit.

Leseprobe

– Kurzversion –

Tarek Bamberger

Stille See – Kaltes Urteil

Farmers Weg

 

Roman


 

 

Dieser Roman orientiert sich eng an historischen Ereignissen und realen Schauplätzen der letzten Kriegstage im Mai 1945. Zahlreiche geschilderte Geschehnisse beruhen auf historischen Quellen und entsprechen in ihrem grundsätzlichen Ablauf der historischen Wirklichkeit.

Für die literarische Gestaltung wurden jedoch einzelne Personen, Orte, Dialoge sowie zeitliche Abläufe verändert, verdichtet oder frei gestaltet. Historische Figuren treten teilweise in fiktionalisierter Form auf oder wurden mit erfundenen Charakteren verbunden. Auch Orts- und Zeitangaben können aus dramaturgischen Gründen angepasst worden sein.

Der Roman versteht sich daher nicht als dokumentarische Darstellung, sondern als literarische Annäherung an historische Ereignisse und ihre menschlichen Folgen.

 

 


Aber man hat es doch befohlen, flüsterte der eine.
Aber wir haben es getan, schrie der andere.
Aber es war furchtbar, stöhnte der eine.
Aber manchmal hat es auch Spaß gemacht, lachte der andere …
Richtig Spaß.

Wolfgang Borchert

— in der Hoffnung, dass Freiheit und Verantwortung
einander nicht verlieren.


 

Prolog

Liegeplatz: Geltinger Bucht – vor Anker
Bordzeit: MESZ (Mitteleuropäische Sommerzeit, UTC+2)
Wetterlage: morgens bedeckt, Sicht eingeschränkt, Wind WNW 2-3, See ruhig
Sonnenaufgang: 05:04 Uhr MESZ

(Logbuch „Buéa“)

 

 

05:00 Uhr am Morgen. Eine ungemütliche, kühle Brise aus dem Westen kräuselt leicht das Wasser in der Bucht. Der Krieg ist vorbei. Es ist der 10. Mai 1945 und es ist Frühling – doch noch lange kein Frieden. Der zweite Tag eines vorsichtigen Luftholens, nach Jahren der Angst, der Parolen und des Schweigens. Ein schmaler, heller Streifen am Horizont kündigt den neuen Tag an.

Im Zwielicht, noch kaum zu erkennen, liegt in der Geltinger Bucht der Flensburger Förde eine Gruppe grauer Kriegsschiffe vor Anker. Der Rest eines einst großen Geschwaders. Nun sind es nur noch wenige Schiffe. Unter ihnen die Buéa, deren Heck auf die Küste des vergangenen Deutschen Reichs zeigt.

Einundachtzig Meter misst die Buéa, einst ein Passagierschiff, dann umgebaut. Jetzt dient sie als Begleitschiff zur Versorgung der U-Boote, der Minensucher und anderer Schiffe des Verbands mit Waffen, Treibstoff, Kriegsmaterial sowie auch Soldaten. Sie alle, die Schiffe und die Menschen, liegen da und warten ab. Die alten Befehle gelten nicht mehr und neue gibt es noch nicht. Es ist ein Warten auf die Alliierten, besonders auf die Briten, die hier bald das Sagen haben werden. An Land und auf See. In der Luft ist ohnehin schon lange niemand mehr.

Auf dem Achterdeck der Buéa tritt eine Gruppe von Matrosen zusammen. Grau und dicht ist die Wolkendecke und lässt das junge Tageslicht nicht durch. Schemenhaft heben sich die Gestalten vom Dunkel des Wassers und der Landlinie ab. Nur vom achtern geführten Positionslicht fällt ein schwacher Schein aufs Deck. Vorbereitungen werden getroffen. Vertäute Kisten werden gelöst und weggetragen. Das Achterdeck wird leergeräumt. Die Männer arbeiten zügig und vermeiden es, laut zu sein. Als sie sie fertig sind, verschwinden sie wieder unter Deck.

„Bereit, Herr Kapitän“, meldet der erste Wachoffizier dem Kommodore, der am Kartentisch seiner Kammer sitzt und zur Bestätigung kurz nickt.

„Dann lassen Sie antreten.“ Der Kommodore steht auf. Seine massige Statur wirkt übergroß in der kleinen Kammer. „Ohne viel Tamtam. Sie wissen, leise und schnell. Dann hat der Spuk ein schnelles Ende.“ Er setzt seine Mütze auf. Sein Gesicht glänzt, er schwitzt.

„Aye, Kapitän! Die Männer wissen Bescheid. Machen Sie sich keine Sorgen.“

Der Kommodore tritt ganz nah an den Offizier heran. „Ich mache mir nie Sorgen, mein guter 1WO. Ich will nur, dass die Sache hier glatt über die Bühne geht.“ Er klingt angespannt, gereizt. „Wenn hier was schiefgeht, ist es nicht mein Hintern allein, um den es dann geht.“ Er sieht den Offizier eindringlich an, macht eine Pause. „Und jetzt genug mit der Quasselei. Bringen wir es hinter uns.“

„Aye, Herr Kapitän“, antwortet der Erste Wachoffizier, ebenfalls ein großer Mann.

Ein paar Sonnenstrahlen schaffen es endlich, die Wolkendecke zu durchbrechen. Doch auch sie können diesem grauen Tag kaum Kontrast und Farbe schenken. Auf dem Achterdeck der Buéa stehen drei Matrosen mit Gewehren bereit. Sie stehen in Formation auf der Steuerbordseite. Links von ihnen steht der 1WO. Er gibt den Befehl zum Anlegen der Gewehre. Nur noch der Bruchteil eines Augenblicks, dann wird der Befehl zum Schießen kommen. Die Finger der Matrosen an den Abzügen spannen sich.

Dann bleibt die Zeit stehen. Nur der Wind bläst unbeirrt weiter und die Wellen schlagen gegen den stählernen Rumpf. Den angelegten Gewehrläufen gegenüber stehen drei junge Männer. Ebenso Soldaten. Doch jetzt: Drei Abgeurteilte ohne Ehre. Die Augen verbunden, die Arme auf dem Rücken gefesselt. Nur wenige Meter sind zwischen den Männern mit Gewehren und den Männern ohne Morgen.

„Nein – das kann nicht sein“, tobt die Stimme im Kopf des Ersten. Das darf nicht sein! Es darf nicht sein! Ein letztes Mal atmet er so viel Luft ein, wie er kann. Das Licht! Denk an die Sonne! Die Sonne! Nichts anderes nimmt er noch wahr. Er spürt seinen Körper nicht mehr, hört nicht mehr den Wind. Hält die Luft an.

Der Zweite träumt. Und auf einmal ist sie da. Er sieht sie vor sich. Endlich. Wie lange hat er diesen Augenblick herbeigesehnt.

Frieda – nur wir beide. Dieser Sommertag, das Glück. Er spürt es in jeder Faser. Wie sehr er sie liebt. Er hat sie – und sie hat ihn. Ein Leben lang. Nur wir beide und dieser wunderschöne Sommertag.

Wie die Flagge im Wind schlägt, nichts anderes hört der Dritte. Warum eigentlich – sind wir nicht einfach weitergelaufen? Wir haben nichts Schlimmes getan. Der Krieg war vorbei, hat man uns gesagt. Gedanken fluten seinen Kopf. Wie die Flagge da so achteraus im Wind schlägt, beruhigt ihn. Wir haben keine Angst. Was soll auch geschehen?

Die Angst erfasst ihn doch. Gleich werden seine Beine ihn nicht mehr tragen. Er spürt sein Herz wild rasen. „Nein!“ Es donnert. „Ich will das nicht!“, schreit er.

 

Drei Schüsse. Drei Leben genommen. Kein Krieg mehr – und auch kein Frieden.

 

 

 


 

 

02 Ein Rest von Krieg

 

 

 

„Seit fünf Tagen hier. Heute zum ersten Mal ohne Hilfe aus dem Bett raus. Der Krieg ist vorbei. Kaum zu glauben. Hier geht alles seinen Gang. Auch „Heil Hitler“ rufen noch einige aus.“

(Tagebuch Joachim Farmer, 15. Mai 1945)

 

 

Durch das halboffene Fenster drang lautes Möwengeschrei. Joachim Farmer saß auf der Kante seines Krankenbetts und las noch einmal die Zeilen in seinem Tagebuch, die er gerade mit zittriger Hand geschrieben hatte. Es war eigentlich nur eine lose Blattsammlung, Papier war schon seit langem Mangelware. Unzufrieden sah er sich das Geschriebene an. Seine Handschrift war ein einziges Gekritzel. Daran würde er sich nun gewöhnen müssen.

 

Ende der Leseprobe (Kurzversion)

 

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Stille See – Kaltes Urteil erscheint voraussichtlich im August 2026.

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Abgeurteilt am 10. Mai 1945

Geltinger Bucht / Flensburger Förde Am 10. Mai 1945 werden an Bord des Versorgungsschiffes Buéa in der Geltinger Bucht drei junge Soldaten erschossen. Der Krieg ist zu diesem Zeitpunkt längst beendet. Man wirft ihnen vor, sich von der Truppe entfernt zu haben. Während...

Endlich ein Buchcover

Am 10. Mai 1945 werden an Bord des Versorgungsschiffes Buéa in der Geltinger Bucht drei junge Soldaten erschossen. Der Krieg ist zu diesem Zeitpunkt längst beendet. Man wirft ihnen vor, sich von der Truppe entfernt zu haben. Während viele überzeugte...

Ein Roman über die innere und äußere Flucht: Die Menschen fliehen aus dem Osten, Soldaten über die Ostsee   – nur Farmer flieht nicht mehr vor sich selbst.

Literarische Spannung statt Krimi: Ermittlungen aus innerer Notwendigkeit, nicht als Beruf.

Moralischer Kern: Schuld, Gehorsam, Vertuschung und die Frage nach persönlicher Verantwortung im Zusammenbruch.

Ein ungewöhnlicher Schauplatz: Kriegsmarineschule Mürwik / Flensburg Mai 1945 – ein Ort, der in der Literatur kaum beschrieben wird.

Dokumentarische Anlehnung: Logbuchseite, Archiv, Listen, Akten – die Wahrheit zeigt sich in Fragmenten.

Über Tarek Bamberger

Tarek Bamberger, geboren 1969 in Flensburg, lebt und arbeitet im Rheinland. Die ersten 27 Jahre seines Lebens verbrachte er in seiner Heimatstadt an der Flensburger Förde – einem Ort, der Geschichte nicht nur bewahrt, sondern in dem sie bis heute spürbar ist. Als ehemaliger Stadtführer ist ihm insbesondere die Rolle der Marineschule Mürwik in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs vertraut.

Die literarische Arbeit von Tarek Bamberger ist eng mit seiner eigenen Familiengeschichte verbunden. Sein Großvater kam im Mai 1945 als Verwundeter nach Mürwik – in eine Zeit des Zusammenbruchs, geprägt von Loyalität, Orientierungslosigkeit und dem abrupten Verlust jeder Lebensperspektive. Aus dieser biografischen Spur heraus entstand die Idee zu Stille See – Kaltes Urteil.

Der Roman ist der Versuch, die innere Lage jener jungen Soldaten sichtbar zu machen, die zwischen Pflichterfüllung und moralischem Vakuum standen. Zugleich stellt er die Frage nach individueller Verantwortung: ob man den Verlust einfach hinnimmt – oder ihm etwas entgegensetzt. 

Neben seiner schriftstellerischen Arbeit verfügt Tarek Bamberger über langjährige berufliche Erfahrung in der Arbeit mit Menschen und Organisationen in Umbruchsituationen.

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Stand dieser Datenschutzerklärung: Mai 2026